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Gleis - Schnellumbauzug  SUZ 2000 Plasser & Theurer   letzte Aktualisierung: 13.12.2004

Im Herbst 1968 setzte die Deutsche Bundesbahn als erste Bahnverwaltung der Welt ein Gleisumbauverfahren ein, das in Fließbandtechnik arbeitet. Dieser Gleis-Schnellumbauzug SUZ 2000 (UP 1) war von Plasser & Theurer - nach den Anforderungen der Deutschen Bundesbahn - entwickelt worden. Der nach einem völlig neuen System arbeitende Gleis-Schnellumbauzug erregte in Fachkreisen großes Aufsehen. Die Arbeitsergebnisse erfüllten alle Erwartungen. Vom ersten Einsatz bis 1974 wurden damit insgesamt 700 km Gleis umgebaut. Die Durchschnittsleistungen betrugen 250 m/h kurzfristig wurden Höchstleistungen über 300 m/h erreicht.
Zur Beschreibung
In Bild Mitte das Fahrzeug mit Bereifung ist die Planierfräse
Fahrzeugnummer: ?
Baujahr: 1968

Die folgenden Ausführungen entstammen einem Werbeprospekt der Fa. Plasser & Theurer

LFW-Triebfahrzeuge für Zugteil 1 und 2: Spezialfahrzeuge mit hydrostat. Langsamfahrantrieb. Arbeitsvorschub stufenlos verstellbar von 0-550 m/h.
Motor: 6 Zylinder V – luftgekühlt  105 PS bei 1800 U/min.
Dauerzugkraft:  20 t bei 300 m/h
Bremsanlage:   direkt und indirekt wirkende Druckluft   Bremsanlage Bauart KEO a SL – 14“
Fahrgeschwindigkeit im Zugverband:   80 km/h
Länge über Puffer:  17.100 mm
Drehzapfenabstand:   10.00O mm
Radstand der Drehgestelle: 1.800 mm
Größte Breite:   3.100 mm
Größte Höhe (Kranschienenoberkante):  1.475 mm
Gesamtgewicht: ca. 56 t
Bedienungseinrichtung: an beiden Längsseiten Ein-Mann-Bedienung
Schwellenaufnahme- und Schwellenverlegegerät mit Schwellenförderanlage: Schwellenaufnahme- und Schwellenverlegegerät als Raupenfahrzeug mit hydraulischer Lenkung und hydraulischem Antrieb ausgebildet.
Motor:  6-Zylinder-Reihenmotor, luftgekühlt 84 PS bei 1800 U/min
Stromversorgung:  380 V Wechselstrom für Förderanlage 24 V Gleichstrom für Steuerung
Gesamtgewicht:  ca. 18 t
Portalkrane: Förderanlage vollautomatisch gesteuert.
Motor: 4-Zylinder-Reihenmotor, luftgekühlt 41 PS bei 1800 U/min
Fahrantrieb:  hydraulisch über Rollenkette auf zwei gegenüberliegende Räder wirkend
Fahrgeschwindigkeit: 0- 12 km/h
Tragkraft: 8 t
Spurweite: 2400 mm
Achsstand: 2500 mm
Raddurchmesser: 455 mm
Gesamtgewicht: 4,6 t
Bedienungsstände an beiden Längsseiten, Ein- Mann-Bedienung
Wagen zum Transport der Alt- und Neuschwellen: Type Rlmmso (2achsig), befahrbar durch verlegte Kranbahnschienen und Obergangsschienen und beladen mit je 4 Paletten.
Fassungsvermögen der Paletten:  Altholzschwellen: 7 Lagen ä 6 Stück
Neuschwellen (Holz): 6 Lagen ä 6 Stück
Betonschwellen: 4 Lagen ä 6 Stück

Der Plasser & Theurer  Gleis-Schnellumbauzug SUZ 2000 ermöglicht vollständige Gleisauswechselung in Fliessbandtechnik mit Umbauleistungen von 2000 m in einer Arbeitsschicht.

 

  • ohne Materialvorlagerung
  • in kontinuierlicher Arbeitsweise
  • bei geringstem Personalbedarf
  • ohne Leerschienen und Hilfsschienen
  • mit Verwendung herkömmlicher Oberbaumaschinen
  • ohne Beeinträchtigung des Nachbargleises
  • in kürzester Umbauzeit
  • ohne nachträgliche Altstoffverladung

 

Verwendung: 

Der Plasser-Schnellumbauzug kann verwendet werden für Neuverlegungen von Gleisen mit und ohne Bettungsreinigung sowie ausbauen und verlegen von Schwellen mit und ohne Bettungsreinigung. 

Arbeitsprinzip: 

Der Umbauzug besteht aus zwei Gruppen von Eisenbahnwagen ohne Wände. Auf den Wagen sind Schienen montiert, auf welchen der Transport der Alt- und Neuschwellen mit Portalkränen abläuft. Jede Wagengruppe wird von einem Wagen mit Selbstantrieb bewegt. Mit jedem der beiden Antriebswagen ist ein besonderes Fördergerät verbunden, durch weiche die alten Schienen und Schwellen aufgenommen bzw. die neuen Schwellen und Schienen verlegt werden. Zwischen dem Schwellenaufnehmer und dem Schwellenleger wird das Schotterbrett durch eine gleislos arbeitende Planierfräse geebnet. Mit den beiden Aufnahme- und Verlegegeräten, den ihnen zugeordneten Wagengruppen, Transport- und Zusatzgeräten und der Planierfräse, werden in kontinuierlichem Arbeitsfortschritt folgende Teilleistungen durchgeführt:

Lösen der Befestigungsmittel:

Die Befestigungsmittel werden mit automatischen Doppelkopfschraubmaschinen gelöst, die an der Unterseite eines Verladewagens  über jedem Schienenstrang mit einem dazugehörigen Sitz für den Maschinenbediener angebracht sind. Durch zwei ebenso untergebrachte Abschervorrichtungen können nicht lösbare Schrauben abgeschert werden. Befestigungsmittel werden von vier ebenfalls an der Unterseite eines Verladewagens sitzend untergebrachten Arbeitskräften aufgenommen und in Behältern verladen, die an den Wagen montiert sind.

Aufnehmen und Abtransport der Altschienen:

Die Altschienen werden durch eine hydraulisch gesteuerte, mit dem Schwellenaufnehmer verbundene Rollenführung von den Schwellen abgehoben, auf ca. 3 m gespreizt und über seitlich an der Planierfräse und den Wagen 9 bis 12 angebrachten Rollen bis zu den Altschienenwagen geleitet. Auf den Schienentrennwagen werden die Altschienen mit einem Spezialschneidegerät (je nach Länge des Schienenzuges 120, 150 oder 180 m autogen abgetrennt und verladen.

Aufnehmen und Abtransport der Altschwellen:

Die Altschwellen werden vom Schwellenaufnehmer mittels eines Aufnahmegerätes aus der Bettung gehoben und einer Förderbandanlage übergeben. Durch eine dieser Anlage zugehörigen Drehscheibe werden je zwei Schwellen gemeinsam um 900 gedreht, auf ein Längsförderband hochgeschwenkt und von diesem auf den ersten Waggon gebracht. Dort werden die Schwellen durch ein Querförderband zu je 6 Stück nebeneinander gespeichert. Jede Lage wird durch die Greifer des ersten Portalkranes übernommen und in eine Palette abgelegt. Zwei weitere Kräne transportieren die vollen Paletten stafettenartig zu den Altschwellenwagen und bringen von dort leere Paletten zur Obergabestelle mit. Jede Palette fasst 42 Holzschwellen (7 Lagen) oder 24 Betonschwellen (4 Lagen). 

Herstellung des Schotterplanums: 

Die Planierfräse stellt das Schotterplanum her, auf das die Schwellen gelegt werden. Zwei zwischen den Achsen- der Maschine laufende Räumketten - die gleich- oder gegensinnig laufen können - räumen den Schotter auf die jeweils gewünschte Seite (rechts, links oder beidseitig). Die Planierfräse hat eine vollautomatische Nivelliereinrichtung, durch welche die gewünschte und gleichmäßige Höhe und Richtung des Schotterbettplanums (Schwellenauflaqer) erreicht wird. 

Transport und Verlegen der Neuschwellen:

Auf den Neuschwellenwagen sind die Schwellen in Paletten (z. B. bei Betonschwellen zu je 24 Stück - 4 Lagen zu je 6 Stück) parallel zur Gleisachse verladen. Mit drei Kränen werden die vollen Paletten stafettenartig zum Verlegegerät transportiert. Dort nimmt ein weiterer Kran eine Lage (6 Stück) nach der anderen ab und übergibt sie der Förderbandanlage des Verlegegerätes. Zuerst werden die Schwellen durch ein Querförderband einem Längsförderband zugebracht, das immer zwei Schwellen gemeinsam übernimmt und diese einer Drehscheibe zuführt, auf der sie um 90 Grad gedreht werden. Die Schwellen werden danach einzeln durch die Ablegevorrichtung in die richtige Lage einreguliert und dann genau nach dem gewünschten Abstand - im Bogen radial - innerhalb der gespreizten Schienen abgelegt. Die leeren Paletten werden in zerlegtem Zustand durch die Kräne zurückbefördert.

Transport und Verlegen der neuen Schienen:

Die Neuschienen werden von dem Neuschienenwagen) über die Schienenkopplungswagen, auf denen sie mit Speziallaschen verbunden werden, auf die seitlich der Wagen angebrachten Führungsrollen geleitet. Mit Rollzangen werden die Schienen auf ca. 3 m gespreizt und durch eine Schieneneinführungsvorrichtung auf die Schwellen gelegt.

Befestigen der neuen Schienen:

Im Bereich der Verladewagen wird das neue Kleineisen durch an der Wagenunterseite untergebrachte Arbeitskräfte aus den Behältern genommen und in die Rippen eingesetzt. Durch ebenfalls unter der Wagenplattform montierte automatische Doppelkopfschraubmaschinen werden die Hakenschrauben festgezogen.

Umbauleistung

Der Schnellumbauzug ist auf eine kontinuierliche Leistung von 6,4 cm/sec ausgelegt. Das entspricht 230 m/Std., bzw. 2000 m in 9 Stunden (Ausbau auf höhere Leistungen möglich).

Bedarf an Arbeitskräften

Für die Arbeitsdurchführung mit dem Umbauzug (ohne Bettungsreinigung und Fahrbarmachung auf die volle Geschwindigkeit) werden rund 50 Arbeitskräfte benötigt.

Anwendung verschiedener Arbeitsmethoden

Unterschiede in der Leistung und im Personalbedarf können eintreten und zwar je nach Anwendung der nachstehenden Varianten für die Rückgewinnung und Verlegung der Schienen.

a)            Verladen der Altschienen und Verlegen der Neuschienen direkt auf, bzw. von den Schienenwagen.

b)            Ablegen der Altschienen in Gleismitte und Verlegen vorgelagerter Neuschienen.

c)            Verladen der Altschienen direkt auf Schienenwagen und Verlegen vorgelagerter Neuschienen.

d)            Ablegen der Altschienen in Gleismitte und Verlegen der Neuschienen direkt von den Schienenwagen.

Geringste Vorarbeiten und Nacharbeiten

Das Plasser-Schnellumbauverfahren benötigt bei Anwendung der Variante a) keine Vor- und Nacharbeiten. Bei den Varianten b) bis d) sind nur geringfügige Vor- bzw. Nacharbeiten (Schienenent- und -verladung) erforderlich. Zumal die Fahrbarmachung des Gleises auf die volle Geschwindigkeit mit den entsprechenden Maschinen zum Großteil noch in der Umbausperre durchgeführt werden kann, treten auch diesbezüglich nach dem Umbau nur geringste Beanspruchungen von Gleissperren auf.

Transport der nicht gleisfahrbaren Geräte:

Auf den Verladewagen werden alle nicht gleisfahrbaren Geräte und Maschinen von und zu der Baustelle transportiert. 

Fahrbarmachen des Gleises auf volle Geschwindigkeit:

Die maschinelle Schotterbettreinigung kann mit der Plasser &Theurer Hochleistungsbettungsreinigungsmaschine RM 62 vor oder nach dem Gleisumbau vorgenommen werden. Nach dem Umbau wird das Gleis mit den folgenden Maschinen der Fa. Plasser & Theurer auf die volle Geschwindigkeit fahrbar gemacht:

FLANKENREINIGUNGS- UND EINSCHOTTERUNGSMASCHINE FR 53 zum Einschottern für das Stopfen, NIVELLIERSTOPF- UND RICHTMASCHINE PLASSER DUOMATIC 06-32 SI-C oder

NIVELLIERSTOPFMASCHINE PLASSER DUOMATIC 06-32 und

RICHTMASCHINE AL204 zum Nivellieren, Heben, Richten und Stopfen,

VERDICHTMASCHINE VDM 800 zum Verdichten der Schotterbettung und

UNIVERSAL-SCHOTTERVERTEIL- UND PLANIERMASCHINE USP3000 zum profilgerechten Volleinschottern und Planieren.

 

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