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DRG Motordraisine für Fahrleitungsmeistereien

  letzte Aktualisierung: 17.05.2013

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Flk = Fahrleitungskolonne Fahrzeugnummer:

SKL 805.04  10.12.1443  

Flk Tübingen

Bauart: Das Fahrzeug dürfte 1933 beschafft worden sein und bis 1952 in Betrieb gewesen sein !
Hersteller: ?
Baujahr: 193?
Länge: 
Eigengewicht: 1772 Kg
Tragfähigkeit: 800 Kg
Hg.: 50 km/h
Foto: Anfang der fünfziger Jahre
Besonderheiten:
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Einem Artikel aus dem Jahre 1932 in „ELEKTRISCHE BAHNEN, ZENTRALBLATT FÜR ELEKTRISCHEN ZUGBETRIEB sind die folgenden Informationen entnommen.

Mit den bisher für die Fahrleitungsunterhaltung eingesetzten Fahrzeugen mit eigenem Antrieb oder mit Lokomotivantrieb war man gezwungen die Strecke zu sperren. Berechnungen hatten ergeben, dass sich bei normalen Wartungsarbeiten eine aussetzbare Motordraisine nebst mitgeführten Leitern besser rechnen würde. Erste Überlegungen waren motorisierte Gerüstwagen, die aber zu schwer wurden.

Es mußte deshalb ein Fahrzeug gefunden werden, mit dessen Hilfe die leichten Gerüstwagen schnell an Ort und Stelle gebracht werden konnten, und zwar mußte, dieses Fahrzeug sowohl ausreichende Leistung aufweisen, um auch auf Steigungen einen solchen Gerüstwagen genügend schnell befördern zu können, als auch an Ort und Stelle aussetzbar sein. Hierfür kamen nur leichte Motordraisinen in Frage. Versuche, die mit den in der Bahnunterhaltung gebräuchlichen Bauarten von Motordraisinen angestellt worden sind, hatten zunächst nicht den gewünschten Erfolg, weil die Draisinen zu leicht gebaut waren, so daß sie infolge der unvermeidlichen Erschütterungen durch die Fahrt und durch die Schwingungen des Motors häufig Beschädigungen ausgesetzt waren. Auch die Motorleistung reichte nicht aus. Besonders bei starkem Gegenwind war die Geschwindigkeit ganz unzureichend. Es mußte also eine Motordraisine mit größerer Leistung und festerer Bauart geschaffen werden. 

Ende der 30ger Jahre waren Motordraisinen der oben abgebildeten Bauart seit einigen Jahren im Einsatz auf den schlesischen Gebirgsbahnen. Sie sich recht gut bewährt haben. 

Die Forderungen, die an diese Draisinen gestellt werden mußten, waren folgende:

1.  Der Motor darf keine Wasserkühlung haben. Diese Forderung ergibt sich aus der Notwendigkeit, die Draisine auch im Winter zu benutzen und längere Zeit bei niedrigen Temperaturen im Freien zu belassen. Wasserkühlung würde dabei sicher zu Schwierigkeiten, führen, auch wenn man Frostschutzmittel anwenden würde.

2.  Die Leistung muß ausreichen, um einen Gerüstwagen auf Steigungen von 10 ‰  mit Höchstgeschwindigkeiten von 40 krn/h, auf Steigungen von 25 ‰ mit 25 km/h zu befördern.

3.  Die Höchstgeschwindigkeit der Draisine allein soll auf ebener Strecke 6o km /h betragen. Auf Strecken von 25 ‰  Steigung    müssen noch mindestens 3o km/h , erreicht werden.

4.  Die Draisine muß mindestens Platz für sechs Leute außer dem Führer bieten. Mit dieser Verkehrslast müssen die unter Ziffer 2 und 3 gestellten Bedingungen erfüllt werden.

5.  Die Draisine muß für den Transport von Leitern u. dgl. eingerichtet sein.

6.  Die Draisine muß schnell von zwei Mann ausgesetzt werden können.

Die oben gezeigte Draisine hat diesen Bedingungen voll entsprochen.

Der Motor ist ein vierzylindriger Benzolmotor von 12 PS Dauerleistung bei 1000 Umdrehungen in der Minute. Ein geschickt  durchgebildetes Kühlungsverfahren. sichert die ausreichende Kühlung der Zylinder durch die von einem eingebauten Ventilator geförderte Luft. Diese Luft wird durch zweckentsprechend angeordnete Leitbleche so um die Zylinderköpfe geführt, daß annähernd gleiche Kühlluftmengen jeden Zylinder umstreichen. Die Draisine ist mit drei gleichen Geschwindigkeitsstufen für Vorwärts und Rückwärtsfahrt versehen. Ein elektrischer Anlasser. erlaubt, den Motor von der Batterie aus anzulassen. Die Motorarbeit wird auf die Achsen durch Gallsche Ketten übertragen. Die Stirnwände sind mit den bei Kraftwagen üblichen Windschutzscheiben versehen. Außerdem ist ein Regendach aus Segelleinen vorhanden. Im Winter können die Seiten ebenfalls durch Segelleinen gegen Wind geschützt werden. Ein Rohrgerüst gestattet die Lagerung von Leitern, Erdungsstangen und sonstigen für die Fahrleitungsunterhaltung notwendigen Geräten, wie es das Bild zeigt. Durch Sandstreuer können beide Achsen bei Bedarf gesandet werden.

Die Draisine läßt sich trotz ihres nicht unerheblichen Gewichts von 1,5 t schnell und leicht aussetzen. Mit Hilfe einer Ratsche wird ein Drehteller heruntergeschoben, mit dessen Hilfe die Draisine um 90 ° gedreht werden und dann ausgefahren werden kann. Allerdings ist dies nur auf Überwegen oder auf besonders vorbereiteten Aussetzstellen möglich. Doch zeigen die mehrjährigen Erfahrungen, daß die Aussetzungsmöglichkeit allen Bedürfnissen genügt. Das Aussetzen selbst erfordert nur einen Zeitaufwand von etwa zwei Minuten. Mit Hilfe dieser Draisine ist es möglich, eine der einzusetzenden Unterhaltungskolonnen entsprechende Anzahl von leicht aussetzbaren Gerüstwagen an die verschiedenen Arbeitsstellen zu fahren. Die Draisine ist dann zu anderer Verwendung frei. Auf diese Weise können auch weit voneinander liegende Arbeitsstellen von der Draisine bedient werden, das Personal und die Baustoffe schnell an die Arbeitsstelle gebracht und im Bedarfsfalle wieder abgeholt werden. Die zuerst beschaffte Draisine dieser Art hat sich gut bewährt, so daß inzwischen zwei weitere gleicher Bauart beschafft wurden. Hierbei sind die mit der zuerst beschafften Draisine gemachten Erfahrungen berücksichtigt worden. Der Radstand ist etwas vergrößert worden. Ferner sind die Sandstreuer und die Einrichtung zur Unterbringung von Werkzeugen verbessert worden. 

Durch die vorwiegende Benutzung dieser Draisine und der kleinen Gerüstwagen wird eine wesentliche Verbilligung der Fahrleitungsunterhaltung erzielt. Die großen Fahrleitungsgerätewagen werden im allgemeinen nur zur schnellen Beseitigung plötzlich auftretender Störungen verwendet, bei denen es sich darum handelt, ohne genaue Kenntnis der Störungsursache schnell eine ausreichende Zahl von Mannschaften mit Geräten und Ersatzteilen verschiedenster Art an Ort und Stelle zu bringen. 

Die großen selbstfahrenden Fahrleitungsgerätewagen sind für die Fahrleitungsmeistereien natürlich wertvoll. Sie werden aber sehr wenig ausgenutzt, wenn man ihre Verwendung auf die Beseitigung von Störungen beschränkt. Ihre hohen Beschaffungskosten lassen dann die Frage berechtigt erscheinen, ob es nicht für manche Fälle wirtschaftlicher ist, als Gerätewagen hergerichtete Eisenbahnwagen für Störungsfälle bereit zu halten und im Bedarfsfalle durch Dampflokomotiven zu befördern. Wenn am Sitz der Fahrleitungsmeisterei stets Dampflokomotiven zur Verfügung stehen, ist dieses Verfahren aus wirtschaftlichen Gründen zweifellos vorzuziehen.

Soweit der teilweise textlich gekürzte und angepasste Auszug....  H. P.

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