Die Fahrzeuge der BR 701 / 702 wurden aus den erfolgreich produzierten Uerdinger Schienenbussen abgeleitet nicht zuletzt um die Ersatzteilhaltung zu vereinfachen. Ab 1955 wurde die leistungsfähigere Variante des Schienenbusses VT 98 in Serie gebaut und der erste TVT wurde von der Waggon- und Maschienenbau GmbH (WMD) in Donauwürth geliefert. WMD lieferte den größten Teil der TVT mit 148 Fahrzeugen. Lediglich 4 der insgesamt an die DB gelieferten 166 TVT wurden einmotorig ausgeliefert alle anderen hatten bei Lieferung 2 Motore.

Die einmotorigen Fahrzeuge wurden später als BR 702.0 geführt und als 702 001 - 004 eingereit. 1971 erfolgte der Einbau eines zweiten Motors und die Umzeichnung in die BR 701.

1973 wurden 23 TVT der BR 701 mit einer geänderten Bremsausrüstung für den Einsatz auf Steilstrecken ertüchtigt. Diese umgebauten Fahrzeuge wurden zur Unterscheidung als "neue" BR 702 geführt.

Mit der 13. Bauserie wurde die Beschaffung im Jahr 1974 abgeschlossen.

Die Fahrzeuge sind mit einem Werkstattraum, einer schwenk- und hebbaren Arbeitsbühne, einem Prüfstromabnehmer, Arbeitsscheinwerfern auf beiden Seiten, einer MAN - Schwenkleiter, einer Beobachtungskanzel und einer Messeinrichtung für den Fahrdraht ausgerüstet.

       

Blick in den Werkstattraum eines 701

       
Die folgenden Ausführungen entstammen einem Prospekt der Firma MBB aus der Sammlung Gerhard Schmitt

Die Regelturmtriebwagen werden bei der Deutschen Bundesbahn zum Bau und zur planmäßigen Untersuchung der elektrischen Fahrleitungen sowie zur Beseitigung von Störungen und Schäden eingesetzt. 

Der Rohbauwagenkasten besteht aus einer Schweißkonstruktion in Profilbauweise aus Stahl. Für die Sonderausrüstung, die geforderte hohe Zuladung und die heb- und senkbare Arbeitsbühne wurde der Wagenkasten mit einem besonderen Untergestell verstärkt. 

Der Wagengrundriss ist in zwei Führerstände und einen 26 M2 großen Werkstattraum aufgeteilt. Die Führerstände sind durch Drehtüren mit dem Werkstattraum verbunden. Die Werkstatt dient insbesondere zum Lagern von Ersatzteilen, Werkzeugen und Arbeitsvorrichtungen, die in Regalen an den Seitenwänden untergebracht sind. Eine Werkbank ermöglicht kleinere Reparaturarbeiten. Außerdem sind ein Schreibtisch, ein Kleiderschrank und ein beheizbarer Kleidertrockenschrank vorhanden. 

Zur Beobachtung der Fahrleitungsanlage während der Fahrt befindet sich im Werkstattraum eine Beobachtungskanzel mit Podest. Zwei Suchscheinwerfer ermöglichen eine Kontrolle der Fahrleitung auch bei Dunkelheit. Auf dem Dach des Regelturmtriebwagens ist ein Stromabnehmer zur Prüfung der Fahrdrahtlage und des Zusammenwirkens von Fahrleitung und Stromabnehmer aufgebaut. Mit einer Verstelleinrichtung kann der Anpressdruck reguliert werden.

Die Arbeitsbühne ist hydraulisch heb und senkbar sowie elektrisch - im Notfall auch manuell - drehbar. Um auch in den Querfeldern der Bahnhöfe jeden Punkt erreichen zu können, ist zusätzlich eine auf 8 m Steighöhe ausziehbare Stahlleiter auf der Arbeitsbühne vorhanden. Mit einer aufsteckbaren Zusatzleiter lassen sich Fahrleitungsbauteile noch in 15 m Höhe über Schienenoberkante erreichen. Die Hub- und Senkbewegungen sowie das Schwenken der Bühne ist von der Arbeitsbühne aus steuerbar. 

Führerstände, Beobachtungskanzel und Arbeitsbühne sind durch eine Lautsprecheranlage verbunden. An das Unterhaltungspersonal außerhalb des Wagens können Anweisungen über schwenkbare Lautsprecher gegeben werden. Für Sprechverbindungen mit Bahnhöfen ist eine Funksprechanlage eingebaut. 

Die Maschinenanlage besteht aus zwei voneinander unabhängigen 6-ZylinderUnterflur-4-Takt-Dieselmotoren mit Kraftstoff- und Kühlanlage, einer hydraulischen Kupplung, einem Sechs-Ganggetriebe mit elektromagnetischer Schaltung und einem Achswendegetriebe. Die für das Verlegen eines neuen Fahrdrahtes notwendige geringe Dauergeschwindigkeit von 5 km/h wird mit einer kombinierten Drehzahl-Füllungsregelung ermöglicht.

Die Druckluft für Bremse und Nebenverbraucher wird von zwei Luftpressern erzeugt, die von den Fahrmotoren mit angetrieben werden. Als Stromquellen dienen, bei ruhendem Dieselmotor, vier Einzelbatterien, die über 4 x 700 W-Lichtmaschinen aufgeladen werden. Zusätzlich sind die Batterien über eine Ladeeinrichtung aus einem 220 V Ortsnetz aufladbar. Auf der Arbeitsbühne und in der Werkstatt stehen Steckdosen zur Verfügung. 

Die Heizung des Wagens erfolgt über die Motorenwärme. Zwei Ölheizgeräte ermöglichen ein Vorheizen und Warmhalten der Maschinenanlage und heizen den Werkstattraum sowie die Führerstände, wenn der Motor nicht in Betrieb ist und bei extrem tiefen Außentemperaturen.

Technische Daten
     
Gesamtlänge über Puffer  13.950 mm  Arbeitsbühne:
Länge des Wagenkastens 12.750 mm  Länge der Plattform   4.550 mm
Breite des Wagenkastens  3.000 mm Breite der Plattform 1.660 mm
Wagenhöhe von SO bis
Oberkante Dach         
3.700 mm Hubhöhe     1.000 mm
Fußbodenhöhe über SO 1.145 mm Hubzeit  16 sec.
Achsstand  6.000 mm Fußbodenoberkante der
Bühne über SO
Raddurchmesser 900 mm bei Senkstellung      4.150 mm
Spurweite 1.435 mm bei Hochstellung 5.150 mm
Kleinster befahrbarer
Gleisbogenhalbmesser
125 m Schwenkbereich
nach beiden Seiten
bei elektrischem Antrieb  
90 º
Motor 6-ZylinderUnterflur 4-Takt-Diesel bei Handbetrieb  100 º
Motorleistung 2 x 110 kW (150 PS) bei 1.900 U/min Seitliche Verschiebbarkeit
der Leiter
Zulässige
Höchstgeschwindigkeit 
90 km/h aus der Mittellage je   380 mm
Mindestgeschwindigkeit
beim Prüfen                
5 km/h Länge der ausgezogenen Leiter
Bremse Druckluftscheibenbremse ohne Aufsteckleiter 8.000 mm
Gewicht mit voller Ausstattung
und voller Zuladung
29,0 t mit Aufsteckleiter 10.000 mm
Zulässige senkrechte
Belastung der Bühne  
300 kg
Gesamtgewicht der zu
hebenden Teile
1.600 kg
Tragkraft der hydraulischen
Hubvorrichtung
3.000 kg